Wildtomate (small egg) – Feldversuch und Größenvergleich

- zuletzt geändert am 31.Juli 2020

Die leckere „small egg“ entdeckte ich einst bei Rühlemanns, seit dem bauen wir sie jährlich an. In diesem Jahr konnten wir dank „Standardpflege“ wie bei anderen Tomaten eine interessante Skalierbarkeit der Sorte feststellen.

 

Wildtomate-Frucht von Pflanze ohne und ohne spezielle Pflege

Wildtomate-Frucht von Pflanze ohne und ohne spezielle Pflege (Foto: Christian)

 

Wildtomate-Frucht von Pflanze ohne und ohne spezielle Pflege

  • Das Substrat ist bei beiden Pflanzen etwa gleich: 1:1-Gemisch aus humoser Gartenerde (frischer reifer Kompost im Mai eingearbeitet) und lehmigem Sand mit ca. 20cm Tiefe, darunter nur noch lehmiger Sand mit gewissem Humusanteil im Kastenbeet durch unten bei Beeterstellung eingesetzten Ästen und anderen Holzteilen. Maulwurf und Wühlmaus geben jeweils ihr bestes, das stört die Tomaten aber nicht. (Im Kastenbeet, unserem ersten, hatte ich Pech gehabt, da das ach so tolle Wühlmausschutzgitter schnell rostete – teurer Spaß für nix. Inzwischen nehme ich lieber normalen Kaninchenstalldraht oder Lochziegel.)
  • Links: Frucht ca. 1,5cm groß (also normal) von sich selbst im Kastenbeet ausgesääter Wildtomate. Diese habe ich ohne jede Pflege und ohne Wässerung belassen, somit ist der Wuchs buschig und ca. 50cm hoch. Selbst ausgesäät ist die Sorte besonders widerstandsfähig und hält immer noch trotz Regen und Nächten unter 5°C bei Wind durch, jedoch ist der Ertrag wegen der späten Keimung im Juni recht bescheiden, deutlich weniger als 1kg. Der Geschmack ist dafür umso besser – typisch fruchtig und intensiv, „small egg“ eben. Der Standort ist mäßig bis mittelstark windig und dem Wetter ausgesetzt. Das Kastenbeet ist innen mit schwarzer Teichfolie ausgekleidet und fängt die Sonnenwärme ganz gut ein.
  • Rechts: Die 4-5cm großen Früchte schmecken wässriger, doch immer noch fruchtig und schmackhafter als andere Sorten. Standort: windgeschützt, unter Pavillon mit lichtdurchlässigem Kunststoffwelldach – sehr warm und regengeschützt. Ich habe dreimal in der Saison mit Brennnesseljauche / Urin sowie einmal mit dem [gt][gt]MSQ Shop gedüngt und bei Bedarf gewässert. Pro Pflanze (es waren 4 in Reihe) liegt der Ertrag bei ca. 4-5kg. Durch das Ausgeizen haben die Pflanzen ca. 2m an Höhe erreicht und wären höher gewachsen, doch wegen dem Dach habe sie dann eingekürzt. Zum Ende der Saison hin geizte ich weniger aus, doch sind die vielen neuen Früchte dennoch recht schnell ausgereift und deutlich größer als „normal“ geworden. Bei stark schrägem Regen bekommen sie nun Braunfäule, während die freistehende Pflanze besser aussieht.

Fazit: Es lohnt sich, auch die „small eggs“ wie eine normale Tomate zu behandeln, damit lassen sich wohl je Abstufung der Pflege alle möglichen Größenordnungen und unterschiedlich intensiv schmeckende Früchte erzielen. Ob die Jauche, das Quarzmehl, das Ausgeizen oder alle Faktoren entscheidend waren, kann ich mangels Testreihe nicht sagen.
Übrigens nehme ich die Samen grundsätzlich von allein stehenden Wildtomaten aus Selbstaussaaat unter freiem Himmel in nicht extra gedüngtem Boden, und ohne Nachbarschaft zu anderen Sorten.

Kommentare

4 replies on “Wildtomate (small egg) – Feldversuch und Größenvergleich”

  1. Sigrid sagt:

    Hallo, :-)

    Herzlichen Dank für den interessanten Artikel. Vielleicht können Sie mir eine Frage beantworten. Ich habe aus den letztjährigen Small Egg Samen gezogen. Die Jungpflanzen gedeihen gerade recht gut. Ich habe jetzt aber irgendwo eine Antwort eines professionellen Gärtners auf die Frage eines Kunden gelesen, dass sich bei dieser Tomate das Saatgut aufspalten kann, die Nachfolgegeneration also nicht mehr so gut schmeckt. Hoffentlich drücke ich mich als Laie jetzt richtig aus.

    Nun lese ich aber, dass sich die Tomaten bei Ihnen selbst ausgesät haben. Somit es die von mir dargestellte Problematik doch gar nicht geben, oder? Außerdem dachte ich, dass diese Aufspaltung nur bei Hybriden passiert.

    Andere Antwort wäre nett. Danke vorab.
    Liebe Grüße, Sigrid

    • Christian sagt:

      Hallo Sigrid, es ist natürlich so, dass mit jeder samenechten Generation durch Fremdbestäubung von anderen Sorten wieder ein neuer Genmix entsteht, also die aus diesen Samen wachsenden Pflanzen andere Eigenschaften haben. Dieses ganz ntürliche Konzept dient der Anpassungsfähigkeit, Vielfalt und – nicht zuletzt – auch der Verspietlheit und Schaffensfreude der Pflanzendevas. Bei Veredlungen kommt meist noch die Unterlage genetisch mit dazu. Das kann mehr oder weniger start ausgeprägt sein. Manche Sorten vererben ihre Eigenschaften stärker als andere. Manche Eigenschaften gehen in einer Generation zurück und tauchen in einer späteren plötzlich wieder auf (siehe Mendelsche Gesetze). Ich selbst gehe, entgegen vieler Gärtner, nunmal den sehr gern ganz natürlichen Weg und lasse die Natur machen. Wobei ich mir erlaube, dem Deva (Geist) der Pflanze auch meine Wünsche und Vorstellungen mitzuteilen. Die Anpassung an den Standort sehe ich als Priorität 1, gerade im Hinblick auf das sich weiter verändernde Wetter. Erst danach kommen die „üblichen“ Ansprüche. Die Vitalität der angepassten Pflanzen gehen über die Früchte / Wurzeln / Blätter – bei Tomaten sind es die Früchte – direkt an mich weiter. Und sie brauchen viel weniger Pflege als überzüchtete oder nicht angepasste Sorten.
      Wenn du sortenecht vermehren willst, empfehle ich dir von den 2 besten Pflanzen derselben Sorte von einer der je untersten und obersten Rispen vor dem Aufgehen der ersten Blüte je eine Rispe in einen Gazebeutel zu binden. Das sind ja also 2 Rispen-Paare, deren Blüten zeitlich gleich blühen müssen und dann mittels feinem Pinsel miteinander von dir fremdbestäubt werden. Warum unterste und oberste Ripse? Weil ich oft sehe, dass sie andere Qualitäten hervorbringen. Die untersten (frühen) haben ja ein anderes Wetter als die obersten (späten). Die frühen kannst du, musst du aber nicht klassisch vorziehen. Die späten kannst du definitiv eine Woche vor den Eisheiligen direkt im Garten aussähen. Das mache ich seit Jahren nun so und es gelingt immer, selbst dann, wenn die Pflanzen erst recht spät loslegen, also Mitte Mai-Ende Mai. Die Pflanzen holen bereits im Juni unglaublich auf und bringen die besten Früchte hervor. krankheit? Meist komplette Fehlanzeige. Da braucht es nicht mal noch homöopathische Mittel oder meinen Kupferdraht.
      Das mit der Direktaussaat klappt bei Tomaten ganz hervorragend, doch bei Physalis bisher leider nicht. Die keimen im Freiland einfach meist zu spät (Mitte-Ende Juni), kommen zu spät in die Gänge und im Oktober/November schmecken die Früchte nicht mehr so gut wie im August/September. Vielleicht kriege ich hier den Dreh ja auch noch raus.
      Insgesamt gehe ich eher den natürlichen, dynamischen Weg, während viele Gärtner noch den alten, statischen Weg gehen. Dahinter verbergen sich zwei verschiedene Paradigmen, denke ich.
      LG Christian

      • Sigrid sagt:

        Lieber Christian,

        Ich bin ganz baff ob Deiner ausführlichen Antwort. Sehr nett von Dir. Wenn ich Dich richtig verstehe, sollte ich es mit den aus den Samen gezogenen Pflanzen einfach mal probieren und nächstes Mal versuchen, Stecklinge zu nehmen.

        Es ist sehr interessant, was Du schreibst, und ich denke, ich tue mich einfach mal auf Deiner Website um. Die Begriffe Verspieltheit und Schaffensfreude im Zusammenhang mit der Pflanzenkultur haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Vielleicht wirklich ein guter Ansatz, dem Wesen der Pflanzen zu vertrauen.

        Herzliche Grüße
        Sigrid

        • Christian sagt:

          Hallo lieber Sigfrid, gern. Ja, so versuche ich es bei Obstbäumen: aus Kern ziehen, dann selektieren, dann Stecklinge machen – siehe meine Beiträge zu Aprikosen und Feigen -> siehe Beitragsliste Gartenthemen. Bei Tomaten gehe ich inzwischen auf jährliche „sortenbunte“ Sämlinge, die natürliche Selektion genügt mir hier und es macht richtig Spaß – mal ist eine Gelbe dabei und mal was aus der Ochsenherz. Was immer hier durchkommt, packt es auch zur Ernte und es gibt kaum noch Ausfälle. Der Wasserbedarf ist durch die Anpassung gesunken, auch ein wichtiger Faktor wie ich finde. Früher haben das viele Menschen mit den typisch lokalen und Haussorten so gemacht und heute ist viel zu viel (fremdgemachter) Einheitsbrei für meinen Geschmack in den Gärten zu finden. Für die sortenreine Bestäubung gilt: Ob einjährig wie Gemüse oder mehrjährig wie Obstbäume, das Prinzip ist immer das selbe wie beschrieben.
          Zum Thema Pflanzendevas kann dir die Bücher von Wolf-Dieter Storl ans Herz legen.
          LG Christian

Comments are closed.