Niemeyer-Weinreben aus Steinstücken

- zuletzt geändert am 26.September 2018

Niemeyer – Wein, Reben m August (Foto: Anja)

Steinstückener kennen die Namen des Architekten und Malers Johannes Niemeyer nicht nur wegen des „Johannes-Niemeyer-Weges“ oder der Straße „Malergarten“ in Steinstücken. Eines seiner Werke heißt „Herbstweg in Steinstücken“. Er besaß in dem südwestlichste Zipfel West-Berlins ein Atelier.

In zahlreichen Gärtnen gedeiht eine blaue Weinrebe, welche der reisende Künstler laut Erzählungen in den 1970ern von einer Reise aus Italien mitbrachte. Seitdem hat sich die hierzulande lokale Sorte, die sich wegen ihrer Gesundheit, ihrer Wüchsigkeit und ihres speziellen Aromas auszeichnet, in vielen Gärten in Steinstücken und darüber hinaus verbreitet.

Ich lernte die Weinsorte durch Anja kennen, die bis vor einigen Jahren Mitglied im von Deborah Werk geleiteten Kunstzirkel auf dem Geländes des Bürgervereins war und wegen der Geschichte über seine Herkunft nenne ich die Sorte „Niemeyer-Wein“.


Geschmacklich erinnert diese Weinrebe mich sehr an Weinreben, welche ich in einem seit der Wendezeit verlassenen Garten an der A115 in der Parforceheide fand. Damals, in den 80ern, war das Sternfeld noch unbebaut, es gab weder das Sterncenter noch das Wohngebiet im Kirchsteigfeld. Für mich war das Gebiet hinter dem Stern einfach ein kleines Paradies für meine Entdeckerseele. So fand ich eines Tage auch diesen Garten im Wald nahe der Autobahn beim Sammeln von Coladosen (typisches Hobby für uns Jungs damals, man fand viele an der Autobahn). Ich erinnere mich an einen alten Mann, der den Garten damals bewirtschaftete, welcher direkt an einer Lichtung liegt und auch heute stehen dort noch teils lebendige Obstbäume aus dieser Zeit und eben der Wein, der bis hoch in eine Kiefer rankt und ganz sicher viele Singvögel und Insekten glücklich macht.

Der Wein lässt sich zu einem verzüglichen Traubenbrand verarbeiten. Bei der Ernte sollte darauf geachtet werden, dass es einige kühle Nächte gegeben hat, denn das Aroma ist dann um Längen besser als vorher. Dieses Jahr war es recht knapp; es war lange sehr warm, der Wein sehr früh reif und wir erntet bereits seit Ende August (sonst meist Mitte Oktober). Doch das Aroma war da noch nicht ganz ausgeglichen, das typische Aroma für diese Sorte etwas zu markant und insgesamt weniger rund. Doch jetzt… mhm.

Unsere Bestände stammen aus Stecklingen aus der Parforceheide (2010) sowie von einer lieben Bekannten aus Steinstücken (2013) und tatsächlich schmecken die Weintrauben gleich. Die Pflanzen gedeihen nicht nur am Zaun, sondern wuchern auch munter hoch in Birken und Haseln und geben unserem Garten dadurch einen besonderen Look.

Ableger zu ziehen ist bei diesem Wein übrigens wirklich einfach, im März geschnittene Ableger wurzeln sogar in einer mit Wasser befüllten Vase. Ich bevorzuge allerdings das Stecken in Erde.

Bilder vom „Niemeyer-Wein“ in unserer Oase:

Anja hat auch dieses Bild gemacht, wäre ein schönes Motiv für eine Postkarte

ganz rechts die Sorte ist es, links (der Unterschied in der Blattform verrät es) ist es ein Sämling, dessen Trauben 100%ig unlecker sind

Erntebild

Links:

Johannes Niemeyer im Galerie Wannsee Verlag
Bürgerverein Steinstücken
Kunstwerkstatt Babelsberg

Wie ist deine Meinung zum Thema? Schreibe dein Feedback ins Kommentarfeld.

Beitrag kommentieren * Leave a reply

Schreibe uns dein Feedback!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *