Fazit für Aprikosen-Sorten in unserer Oase

- zuletzt geändert am 14.Oktober 2018
Aprikose Bergeron in der Blüte

Aprikose Bergeron in der Blüte

Das Biotop in unserer Oase ist wild, seine Anmut wie ein Rosenstrauch, seine Aprikosenmordlust legendär. So etwa kann ich die Wirkung unseres Standorts auf meine bisherigen Versuche mit verschiedenen AprikosenSorten beschreiben.

Exponiert und daher windig, das mögen Aprikosen gar nicht. Trotz aller gedeihenden Hecken und Sträucher führen die beiden Faktoren auch weiterhin zu häufigen und starken Temperaturschwankungen. Das wiederum ist Stress für die Aprikosen-Bäume, was sich besonders im Wasserhaushalt im Frühling und am Stamm durch Risse bemerkmar macht.

Nach einigen Jahren mit durchgeführten Testpflanzungen und Sämlingsaufzucht bleibt trotz aller traurigen Verluste die Aprikose für mich die göttliche Frucht, meine Lust an weiteren Versuchen ist ungebrochen.

Auch bei Aprikosen gilt: „Die Besten sterben jung.“ – natürlich nicht, es ist genau anders herum. So muss man Geduld mitbringen und die Natur das Aussortieren überlassen. Wurzelschäden durch Wühlmaus und Maulwurfsgrille, Wurzelfäule durch viele Niederschläge, Triebsterben durch (Pilz-)Infektionen und folgende Apoplexie (Schlagfall) sowie Monilia (Spitzendürre) garantieren einen bunten Mix im lustigen Mortalitätsspiel für Obstgärtner die es wissen wollen.

Wenn die genannten Faktoren nicht genügen, kann man auch nach helfen: unsaubere Schnitte, Spatenstichte in die Wurzeln, kaltes Brunnenwasser bei 30°C – Extreme müssen ausgehalten werden, sonst ist der Genpool eventuell nicht vorbereitet auf das, was uns noch erwartet.
Ich bin dieser Ansicht, denn die verschiedenen Extreme müssen die Bäume letztlich ja gut ertragen, um gesunde und leckere Früchte hervor zu bringen. Dabei fehlt natürlich die liebevolle Zuwendung nicht und der Deva der Bäume nimmt es nicht nur nicht krumm, wenn ich schweren Herzens wieder einige seiner Schützlinge „entsorge“. Er ermuntert mich sogar da nicht zu weichherzig zu sein. Denn letztlich ist es ja besser, die übrigen Bäume gedeihen und bleiben gesund.

Es folgt meine aktuelle Liste der bisherigen Sorten. Beginnend mit nach 1-3 Jahren Standzeit verblichenen und bisher durchhaltenden Sorten (mehr auch nicht), zuletzt kommen die recht viel versprechenden Versuche. Diese Liste soll helfen, unnötig Enttäuschungen zu erleben und Geld und Zeit zu vergeuden.

  • Harlayne -> Märzsonne und Spätfrost
  • Douceur -> Märzsonne und Spätfrost
  • Amicol -> k.A.
  • Kuresia -> Märzsonne und Spätfrost
  • Mino -> Märzsonne und Spätfrost
  • Hargrand -> Märzsonne und Spätfrost
  • Ungarische Beste -> Wind
  • Riesenaprikose aus der Ukraine
  • Mombacher Frühe
  • Wilson Delicious
  • versch. Wildaprikosensorten, darunter Hunza und Wilde Marille
    Auch wenn die Versuche hier (relativ zu den og. Sorten) am Erfolg versprechendsten sind, liegen die Verluste auch hier sehr hoch. Von 30 Sämlingen stehen nach 3 Jahren meist weniger als 30%, von denen wiederum nur wenige noch keine starken Rückfälle hatten.
  • Noch offen sind Versuche mit der kanadischen Sorte „Morden 604“.

Passende Unterlagen für Aprikosen
Es können noch Unterlagen-Versuche mit  WaVit als Alternative zu St. Julian und Myrobalane, weiterhin mit Wildaprikose folgen. Diese sollten aus nahe liegenden Gründen bei Eignung am Standort das Optimum für Edelsorten sein, doch die Praxis muss das letztlich zeigen.

Wie ich bei der Aufzucht meiner Aprikosen vorgehe

Neben der schnellen und möglichst folgenlosen Verheilung von Wunden im Holz sowie der Windfestigkeit ist die Art der Wurzelbildung für mich bis zur Fruchtbildung besonders relevant. Denn erst einmal muss die Pflanze ja überleben, sich angepasst haben.  Eine starke Pfahlwurzel bringt auch in frühen und trockenen Jahren stets gutes Wachstum, doch liegt hier ein hohes Risiko durch Wurzelschäden durch Fraß vor. (Ich hatte schon 2 Jahre alte Pflanzen, die größer waren als um ein Jahr ältere und dann plötzlich komplett einbrachen. Keine Stammschäden, keine Infektion, kein Hartfluss (also keine Apoplexie) – Wühlmaus! Manchmal kann ich die Pfkanze retten, wenn ich es schnell bemerke, darum ist ein tägliches Begehen besonders im Sommer sehr wichtig.) Eine stark verzweigte Wurzel kann Fraßschäden leicht kompensieren, dringt jedoch erst in späteren Jahren tiefer ins Erdreich vor. Die Pflanze wächst also anfangs langamer und ist weniger trockenheitsresistent. Ideal scheint es hier tatsächlich zu sein, einer Pflanze mit Pfahlwurzel diese frühzeitig (d.h. bis zum 2. Jahr) zu kappen, ebenfalls natürlich den Trieb stark einzukürzen. Schnell erholt sich die Pflanze wieder und treibt oberirdisch und unterirdisch verzweigter als vorher aus. Nur in Containeranzucht kann eine passende Auslese geschehen; nur hier kann die Wurzel ohne Schaden an der Pflanze beim Umtopfen gesichtet werden.
(Übrigens habe ich eine Methode entwickelt, die im Ergebnis zwischen „Containerware“ und „Ballenware“ liegt, eine Art versenker Container. Vorteile: Pflanzen stehen ohne Sicherungsdraht im Wind stabil, einfachere Bewässerung, eine dem Erdreich optimal angepasste Temperatur. So sind die Pflanzen von Anfang an bestmöglich an den Standort angepasst.)
Auch scheint der Wuchs der Krone oftmals mit dem der Wurzel zu korrespondieren. Pfalhwurzel -> straff aufrechter und schlanker Wuchs, stark verzweigte Wurzel -> eher buschiger Wuchs mit mehr flach stehenden Zweigen. Für die Entwicklung von Fruchtholz in Erntehöhe ist letzteres besser und nimmt man das Risiko durch Wurzelfraß bzw. den beschriebenen Kompensationsaufwand mit in die Gleichung, lohnt hier die Geduld eventuell doch, denn wie erwähnt wachsen die buschigen Pflanzen ja anfangs deutlich langsamer. Passend zur schlechteren Wasserversogung in den ersten Jahren haben die Aprikosen-Büschlein bei mir bisher ausnahmslos viele kleinere Blätter als die mit Pfahlwurzel.

Überleben genügend Kandidaten und kommen so gesund wie möglich (d.h. auch: ohne besondere Pflegemaßnahmen), folgen nach Jahren Saatgutgewinnung und erneute Anzucht. Sind die neuen Sämlinge dann endlich im Fruchtalter, folgt wiederum die Auslese und erst dann geht es in die eigentliche vegetative Vermehrung – es ist ein langer und steiniger Weg, der noch vor mir liegt. Man muss mit langem Vorlauf investieren, Rückschläge ertragen und Zöglinge los lassen können. Und man braucht viel Platz.

Aprikosen wollen volle Sonne, aber…

… genau das ist oft ihr Todesurteil. Zu vermeiden ist neben viel Wind nämlich der zu frühe Start im März / April. Bei freiem Standort, wo volle Sonne garantiert ist, ist der Wind wiederum auch meist dabei. Geht die Pflanze erst einmal in den Saft, ist ihr Frostschutz dahin und ein Spätfrost gefährdet nicht nur die Blüten, sondern auch ganze Triebe. Bei jungen Bäumen, wie mir passiert, ist ein Spätfrost schnell das komplette Aus und überlebt der Baum den Stress, bilden sich oftmals Risse im Stamm. Es folgen Gummifluss, Pilzbefall oder gleich der Schlagfall, der „auf einen Schlag“ Triebe und sogar den ganzen Baum ins Jenseits befördert.

So versuche ich inzwischen auch halbschattige Standorte, wo nur die Krone der Aprikose und auch nur im Hochsommer volle Sonne bekommt. Das realisiere ich mit der Platzierung nördlich hinter strauchig geschnittenen wintergrünen Eichen und Hecken (wie Hainbuche, Liguster „Atrovirens“) und hinter hohen Zäunen mit dichtem Bewuchs, der auch im Winter Wirkung zeigt. So erwärmen sich der Boden um den Aprikosenbaum und sein Stamm nur langsam, die Märzsonne kann nicht zum gefürchteten Frühaustrieb führen.

Weitere Versuche laufen mit Weißanstrich und diesen „Baumspiralen“, welche eigentlich als Fegeschutz fungieren, aber ebenfalls gut die Sonne abhalten und nicht jedes Jahr neu angebracht werden müssen. Sie gehen durch ihre Konstruktion selbstständig mit dem Stammdurchmesser mit, zumindest einige Jahre. Außerdem schützen die den Stamm vor Fraßschäden durch Nagetiere.

Produkttipps:

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