Vorgestellt: Wilde Feige, Gebirgsfeige Ficus afghanistanica

- zuletzt geändert am 21.April 2020

Aufnahme einer Gebirgsfeige im Herbst, ein von der Blattform her besonders ansprechendes Exemplar.

Durch einen Zufall entdeckte ich im letzten Jahr bei meiner  Suche nach frostharten und für windige Lagen geeignete Obstsorten eine Feigenart aus den Hochländern des nahen Ostens (bis in Hochgebirgsregionen von 2000 Metern in Afghanistan und im Iran). Die Gebirgsfeige Ficus afghanistanica ist eine wilde Feige und gilt als sehr robust, was bei ihrer Herkunft auch kein Wunder ist. Harte Winter bis -20°C und Temperaturschwankungen machen ihr erwartungsgemäß wenig aus und sie kommt auch durch trockene Sommer besser als die Kulturfeigen.

Dafür bleibt die Gebirgsfeige kleiner und wächst langsamer. Ihre Blätter sind manchmal weniger tief gefurcht und auch kleiner als die der echten Feigen und sehen damit nicht ganz so dekorativ aus. Allerdings habe ich entdeckt, dass es hier Variationen gibt und manche Exemplare wirklich schöne, tiefefurchige Blätter ausbilden.

Die Früchte der Gebirgsfeige sind laut Quellen recht klein, schmecken dafür umso besser – sehr intensiv. Dafür nehme ich die viel geringere Größe der Wildfeigenfrüchte gern in Kauf, zumal die laut Literatur nur etwa 2 Meter groß werdenden Sträucher auch noch zwischen Obstbäumen genügend Raum hätten.

Die im letzten Jahr gekauften sowie gezogenen, also 1- und 2jährigen Pflanzen, sehen im Garten wie auf dem Balkon durchweg sehr gesund aus. Die Märzsonne 2015 wird zeigen, wie gut sie diese Hürde überwinden. Update 2015-06 ::Etwa 50% gingen scheinbar ein, nicht wegen der Kälte, aber ich hatte zu wenig gegossen (trockene Kälte). Von den totgeglaubten Pflänzlein sind inzwischen einige wieder ausgetrieben. Einige der kräftigen, jungen Pflanzen sind inzwischen fast so groß wie die im letzten Jahr gekauften 1jährigen – also hab ich’s zumindest teilweise richtig gemacht.

Die wilde Feige Ficus afghanistanica, die Gebirgsfeige –
ein spezielles Kastenbeet

Spatentief ein passendes Loch ausgehoben und darin die Begrenzung gestellt, dann innen mit zerstoßenenen Poroton-Steinen, die vom Hausbau meines Schwagers übrig waren, etwa zur Hälfte aufgefüllt.

Später habe ich es kreisförmg geformt.

Nun wird weiter mit einem Gemisch aus Sand und Gartenerde aufgefüllt.

Nach der Bepflanzung habe ich als Deckschicht nochmals Poroton für den Randbereich genommen, kleinere Stücke diesmal.

Die Wilde Feige oder Gebirgsfeige in der Nahaufnahme. Die Deckschicht wird noch mit Keis vermischt.

Später pflanze ich eine zweite Gebirgsfeige dazu und packte einen schönen Feldstein als Wräemspeicher in die Mitte. So stehen seit dem zwei von vier im Juni 2014 gekauften, einjährigen Pflanzen im Kastenbeet. Die linke ist unser Prachtstück, die Königspflanze, die vergleichsweise schnell wäschst und sehr schöne Blätter hat. Unsere Bayernfeige wäschst im Vergleich dennoch schneller.

Gebirgsfeige im Winterkleid

Hier ein Bild einer der aufgezogenen Gebirgsfeigen (Aufnahme vom 20.02.2015)

Unsere Bayernfeige im Vergleich – leider hatte sie die Märzsonne 2014 heftig erwischt und sie trieb von unten neu aus.

Die wilde Feige Ficus afghanistanica, die Gebirgsfeige –
Tipps zur Anzucht und Pflege

Die Anzucht ist einem Gemisch aus Sand, etwas Humus und normaler Gartenerde zu ca. 100% zweimal in einem Jahr gelungen. Alle Pflanzen sehen gut aus, auch wenn durchaus Unterschiede im Wachstum gibt. Der Abstand der Samen betrug in meinen Anzuchten ca. 5cm und das Pikieren fand etwa 2 Monate nach Keimung statt. Nach einigen Monaten oder mit einer Größe von 10cm und mehr sind sie Pflanzen dann wohl groß genug, um im Garten weiter wachsen zu können.

Dank ihrer geringen Größe und relativen Anspruchslosigkeit gedeiht diese Feigenart auch im Kübel und ist somit auch eine gute Wahl für sonnige Balkons und Terrassen.

Versuche mit dem Anzucht-Substrat im Mai und Juni 2015
Nach mehreren Aussaaten sind diesmal nur die gekeimt, die zu ca. 80% Sand im Substrat haben. Dabei verwende ich ein Gemisch aus feinem Vogelsand und grobem Quarzsand aus dem Fachhandel, Verhältnis etwa 5:1.Lehmiger Boden und zu viel Humus ist zu letzem Jahr bestätigt nicht gut. Im richtigen Gemisch – Sand zu Humus etwa 8:2 – keimen die Samen bei Licht und durchweg Feuchtigkeit in Boden und Luft zuverlässig nach 1-2 Wochen.

Und natürlich sollten auch diese Samen bei der Lagerung nicht ungeschützt E-Smog ausgesetzt werden. Produkte für den Schutz vor E-Smog findest du z.B. in meinem Webshop.

Anzucht aus Samen, einige Wochen junge Gebirgsfeigen

Einige Wochen später

Eine im August pikierte und umgetopfte junge Gebirgsfeige im Oktober, ein von der Blattform her besonders ansprechendes Exemplar.

Noch ein genereller Tipp zur Anzucht
Wie bei anderen (wilden) Bäumen und Sträuchern auch ist es auch bei der Gebirgsfeige sicher sinnvoll, einen Teil der Aussat direkth am späteren Standort zu versuchen. Unsere Ergebnisse mit vor Ort gekeimten Pfirsichen und sind im Vergleich zu standortfremd gezogenen und hinzu gepflanzten Exemplaren deutlich: Sehr viel besseres Wachstum, weniger Ansprüche an den Boden, mehr Abwehrkräfte, also insgesamt sehr hohe Konstitution durch Anpassung schon im Samen. Dieser wird nämlich durch seine Umgebung „programmiert“ und gibt dieses Wissen dem Keimling mit auf den Weg, während die Anpassung einer woanders gezogenen Pflanze nie 100%ig zu sein scheint oder zumindest Jahre dauern kann. Ein anfänglicher Vorteil durch den Kauf einer größeren Pflanze wird nach meinen Beobachtungen schon im zweiten bis dritten Standjahr durch eine vor Ort gezogene als Scheinvorteil entlarvt. So richtig optimal ist es vielleicht, wenn ein Baum genau am Platz bleiben darf, wo der keimte. Das ist wohl aber meistens nicht erwünscht.

Update 2015-06 :: keimung direkt im Gartenboden
Mein Feldversuch mit „Keimung vor Ort“ läuft bisher ohne Erfolg, was angesuchts der oftmals ausgebliebenen Niederschläge kein Wunder ist. Auch ist der Boden wohl nicht sandig genug.

Update 2020-04 :: Umzug und Spätfröste
Durch den Kauf unseres Landes mussten alle Obst-Pflanzungen umziehen und 2016 fand ich für die noch übrigen 5 Wildfeigen einen leider sehr windigen und vollsonnigen Platz, der schon im Februar der Sonne ausgesetzt ist. 2018 waren nach fiesen Spätfrösten noch 3 Feigen übrig, die die noch fieseren Maifrost 2019 aber überlebten und auch 2020 noch gesund sind, aber wieder zurück gefroren sind. So wird es natürlich nichts mit der Ernte. Während andere Feigen, wie Peretta und Violette Bayernfeige, sich letztlich anpassen, kommen die Wildfeigen bisher mit den Spätfrösten bei uns nicht zuerecht. Daher habe ich die drei Pflanzen kürzlich – wir haben Ende April 2020 – in einen Bereich gesetzt, in dem die Frühlingssonne erst ab Anfang April Wirkung zeigt. Auch ist die Lage etwas weniger exponiert und vor allem ostwindsicher. So erhoffe ich mir ein späteres Knospenschwellen und mehr Spätfrosthärte. Bei den Kiwis klappt das auch sehr gut.
2021 weiß ich dann mehr.

Der richtige Boden für die Gebirgsfeige
Ficus afghanistanica braucht als Gebirgspflanze verhältnismäßig kargen und auf jeden gut durchlässigen Boden. Da wir lehmhaltigen und recht nährstoffhaltigen Boden haben, entschied ich mich für die zwei von vier, im Juni 2014 gekauften Exemplare in hochgehäufte Bodenmischungen aus Sand und unserem Gartenboden, umgeben mit Feldsteinen, zu pflanzen. Die beiden anderen erhielten ein extra für sie gebautes Kastenbeet mit noch mehr steinigem Untergrund. Dazu habe ich einige Bilder zusammen gestellt.

Der Standort für die Gebirgsfeige
Sonne, Sonne, Sonne! Es kann windig sein, es kann sich richtig aufheizen. Das alles verträgt die wilde Feige, nur Sonne brauchst sie vor allem für die Fruchtausbildung und Reife. Und sie wächst in voller Sonne auch prima. Ficus afghanistanica kommt nach eigener Beobachtung gut damit zurecht, dass der Boden sich nur mittelmäßig schnell erwärmt, aber dafür in der Nacht weniger auskühlt. Also vor allen dann, wenn dein Boden sandig ist, setze ihr ein paar Feldsteine daneben. Das mögen andere Pflanzen natürlich auch.

Die Überwinterung der Gebirgsfeige
Ausgehend von Erfahrungen mit anderen Pflanzen wie der Hunza-Aprikose ist ein gewisser Schutz im Freien in den ersten 2-3 Wintern durchaus sinnvoll. Mit Reisig oder Stroh eingedeckt, kann so auch die Märzsonne den Pflanzen wenig schaden. Zumindest sollte der Boden bis Ende März gemulcht sein, damit er sich nicht zu schnell erwärmen kann – das gilt auch für Feldsteine in der Nähe der Pflanzen. Alternativ überwinterst du junge Gebirgsfeigen in Keller oder Wintergarten.

Düngung von Gebirgsfeigen?
Besser düngst du nur ganz wenig und ausschließlich mit etwas reifem Kompost und/oder Gesteinsmehl, aber auf keinen mit Fall Jauche oder chemischem Dünger. Je kärger der Boden um die Gebirgsfeige herum ist, desto natürlicher ist es und du wirst weniger Probleme mit Druck durch andere Pflanzen haben. Gedüngt wird die Gebirgsfeige außerdem zwar schneller wachsen, doch sie wird anfällig und im Herbst ist ein Verholzen auf jeden Fall wichtiger als Wachstum, was bei durch Düngung erbrachtes Wachstum verzögert wird. Kommt der Winter dann früher oder hart, war es das mit den neuen Trieben. Also wenn Düngung, dann nur bis Juli oder August.

Einige der aus eigener Anzucht stammenden jungen Pflanzen hatte ich im Herbst 2014 testweise in den normalen Gartenboden gesetzt, nur angehäufelt und mit Feldsteinen umgeben. Ich bin gespannt, wei gut sie ohne Extrabeigaben von Sand und Kies gedeihen.
-> Update 2015-04 Sie sind im zeitgen Frühjahr vertrocknet, ähnlich wie ein Teil auf dem Balkon. Werde bei sandigem Boden über den Winter doch mulchen oder sie erst größer auspflanzen.

Gebirgsfeige vermehren
Wie schon weiter oben beschrieben, geht es mit den Samen aus einer reifen Frucht ganz problemlos. Für meine ersten Versuche kaufte ich Samen bei einem kleinen Händler online ein. Rareseeds bietet die Samen der Ficus afghanistanica inzwischen auch an. Bei Trockenfrüchten achte darauf, dass diese Rohkostqualität haben, also nicht über 35°C erhitzt wurden. So ist eine hohe Keimungsrate der enthaltenen Samen sicher gestellt.
Als Wildobst lässt sich die Gebirgsfeige sicher auch vegetativ via Steckling vermehren. Im Internet fand ich das bestätigt. Eigene Versuche dazu kommen noch, zumal auf diese Weise gewünschte Eigenschaften wie Fruchtgeschmack, Fruchtansatz oder Blattform gezielt weiter gegeben werden können.

Veredlung?
Als Unterlage wird die Ficus afghanistanica wohl Verwendung finden. Eigene Versuche mit unserer Bayernfeige kann ich mir vorstellen.

Links zum Thema Gebirgsfeige

2 replies on “Vorgestellt: Wilde Feige, Gebirgsfeige Ficus afghanistanica”

  1. Christian sagt:

    Hallo Wolfgang, danke, wertvolle Infos. Unsere selbst gezogenen – die übrigens ganz anders aussehen und 100%ig samenecht sind (weil aus Früchten der Widlfeigen gepult) – sind jetzt 1 Jahr alt und schon knapp 30cm hoch, dabei sehr buschig. Werde mit dem Deva sprechen, vielleicht gehen ja 3-4 Jahre :)

  2. Wolfgang Jais sagt:

    Ich habe im Jahre 2006 selbst so eine Feige bekommen. Alerdings hab ich die nicht aus Samen gezogen sondern im Internet bestellt. Diese Feige hat sich als sehr Winterhart herausgestellt. Jetzt 9 Jahre spaeter traegt die Feige zum Erstenmal Fruechte. Wie erwartet sind die Fruechte sehr klein. Im Moment haben die Fruechte etwa 1.5 cm Durchmesser. Ich weiss noch nicht ob ich auf spezielle Wespen angewiesen bin, oder ob die Feige selbstfruchtbar ist. Aber das werde ich wohl heuer sehen.

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