Politisch korrekte oder freie Witze, oder beides?

- zuletzt geändert am 9.Januar 2016

Quasi als kleiner Nachtrag zum kürzlichen Beitrag mit nicht so leichtem Thema will hier ich einige Gedanken zum Thema „Witze“ aufgreifen.

Was ist der Sinn eines Witzes?

Im Idealfall dürfte ein Witz als Humorelement der Auflösung einer gespannten Situation dienen. Der Witz ist als Ventil zum Spannungs-Entladen, dem Klären der Atmosphäre dienlich. Der Witz als Werkzeug, der das Unsagbare sagbar macht, der gerade auch über den Tabubruch befreiend wirkt, ist ein völkerübergreifendes, auch zur Verständigung nützliches Instrument. Denn über das befreiende Lachen hinaus seine Wirkung entfaltend, erzählt ein Witz auch etwas über Kulturen und deren Vorurteile und Gewohnheiten, Klischès und Sonderlichkeiten.

Besonders in Zeiten diktatorischer Bemühungen – dazu fällt für mich der symptomatisch „vorauseilende Gehorsam“ im heutigen Staate „DEUTSCH“ ein – gilt Humor in Form von Witzen als entspannend, auflösend, entladend und ist daher besonders bei sich unterdrückt fühlenden Teilen des Volkes sehr willkommen – also bei ca. 99,99% der Menschen auf dieser Erde („Gutmenschen“ beziehe ich als grundsätzlich „humorkompatibel“ hier mit ein).

Warum gelten Witze, die vor Jahrzehnten noch durchgingen,
heute als politisch nicht korrekt?

Dabei fallen mir Sendungen mit Otto Walkes oder Hörkassetten mit Fips Asmussen und anderer Künstler ein. Auch wenn der Verstand an so mancher Stelle sagen würde: „Das geht so gar nicht!“ – Bilder arbeiten schneller und der Bauch sieht es eben anders… und gewinnt. Nur Katholiken geißeln sich danach freiwillig – oh, das war aus einem anderen Witz. (Meine Familie väterlicherseits war katholisch und … oje oje, sag ich nur.)

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Also, wie geht das jetzt auf „gutmenscherisch“? Das sind alles dunkelhäutige Ausländer mit Migrationshintergrund? Herrje, das ist so witzig, wie Slogans in der DDR werbewirksam waren.

Was passiert, wenn solche Witze nicht mehr lustig sein dürfen? Erst einmal – so behaupte ich – wird die Situation gesamtgesellschaftlich dadurch nicht entspannter. Denn das Gutmenschentum hört ja nicht bei einem Thema auf, es ist wie ein Virus, das sich ausbreitet und zeigt dabei durchaus Tendenzen hin zu einem politischen Kreuzzug. Ist eher ungesund für alle freien Geister.
Und wer sagt überhaupt, was erlaubt ist und was nicht? Irgendwer in der Politik, die Bildung, das Fernsehen? Wenn sich jemand verletzt fühlt, ist es subjektiv. Also sollte das Empfinden für das korrekte Erzählen eines Witzes ebenso subjektiv bewertet und gelenkt, und vor allem präventiv wie wir ja sein wollen, vom System auch ab der Schule durch entsprechendes Fach (Kunst / Kommunikation?) gefördert werden.
Ich sage, der beste Lehrmeister ist das Leben selbst, und Fehler müssen gemacht werden, will man aus ihnen lernen. Nur dann macht man sie freiwillig nicht mehr, auch wenn sich die Gelegenheit dazu wieder bietet. Man reift daraus und wird letztlich nicht aus Angst „politisch korrekter“, sondern ganz einfach lebenserfahrener, weiser. Was ist mehr wert und welche Qualitäten im Individuum fördern wohl mehr eine Gesellschaft eines fairen und respektvollen Miteinanders? (Ich selbst tippe mal ganz vorsichtig auf letztere Option.)

Ob ein Witz als korrekt oder nicht korrekt oder gar anstößig empfunden wird, hängt wohl vom Ort, von der Zeit, vom Publikum und auch vom Vortragenden selbst ab. Im Internet ist das ja so eine Sache; hier wird ein Witz erzählt und dort weiter verteilt und er erreicht schnell ein Publikum, für welches er ursprünglich vielleicht gar nicht gedacht war. Oder es liest jemand oder hört / sieht jemand mit, an den der Vortragende nicht einmal im Traum dachte.

Folgt daraus „der Fluch der Vernetzung“ oder bieten sich hier Chancen für ein weiter entwickeltes, bewussteres Miteinander?

Gib es vorbeugende Lösungen „gegen politisch nicht korrekte Witze“ ?

  1. Witze im Internet werden verboten. Ach, zum Teufel mit den halben Sachen! Die Kommunikation wird insgesamt verboten. Nur wer gar nichts sagt, kann etwas falsches sagen.
    oder
  2. Es wird jedem nahegelegt, zuerst zu lernen, über sich selbst zu lachen. Das sollte helfen, anderen auch ihre Scherze zu erlauben. Schwerer Tobak? Nur für das Ego.

Beide Möglichkeiten können jedoch politisch nicht mit Erfolg verordnet werden. Denn Humor ist nun einmal vollkommen subjektiv und das individuelle Empfinden als „Witz-Konsument“ ebenso.

Eine weitere Möglichkeit wäre – und das wird auch gemacht – einen Witz umzubauen, so dass aus einem Juden beispielsweise ein Christ oder aus einem Ostfriesen ein Bayer wird – was das „Problem“ natürlich nur verlagert.
Der vielleicht ganzheitlichste Lösungsimpuls liegt in der Art des Witzes selbst: Ist er nicht polarisierend, geht also nicht auf Kosten einer „Minderheit“, ist er ein guter Witz und (hoffentlich) nicht von der Zensur bedroht. Denn eines ist sicher: Zensoren und ihre willigen, humorlosen Helfer scheinen den ganzen Tag über nur eine kreative Fähigkeit auszuspielen: Wie man anderen Menschen den Tag grauer macht. Mit Freiheit oder Respekt hat das doch nichts zu tun.

Zum Selbsttest habe ich Witze über Gärtner und Deutsche gesucht… und mit gelacht. Das hinkt aber etwas. Denn als Jude aus einem KZ oder Schwarzer, der vom Ku Klux Klan gefoltert wurde, wäre das sicher anders. Eben darum ist das mit polarisierenden Witzen immer so eine Sache: Wer sich dabei verletzt fühlt weiß man nicht.

  • Witz über Gärtner
    Zwei Gärtner unterhalten sich. „Es heißt ja, dass es Pflanzen gut tut, wenn man mit ihnen spricht.“
    „Okay. Dann gehe ich jetzt nach hinten und beleidige das Unkraut!“
    (Quelle: http://witze.net)
  • Witz über Deutsche
    Noch rätselt eine Gruppe Wissenschaftler über die Herkunft von Ötzi.
    1) Österreicher kann er nicht sein, man hat Hirn gefunden.
    2) Italiener kann er auch keiner sein, er hatte Werkzeug dabei.
    3) Vielleicht ist er ein Schweizer, weil er vom Gletscher überholt wurde.
    4) Aber wahrscheinlich ist er Deutscher, denn wer geht sonst mit Sandalen ins Hochgebirge …
    (Quelle: http://witze.net)

Besonders Otto schaft es in unzähligen seiner Witze, niemanden (zu doll) vor den Kopf zu stoßen. Auch darum ist er einer meiner absoluten Lieblingskomiker.

Mein Fazit:
Witze, ihre Erschaffung und ihre Wirkung sind ein Spiegel der Gesellschaft. Den Spiegel zu verbieten ist „so sinnlos wie Titten an einem Bullen“, um es texanisch auszudrücken. Witze künstlich zu verbieten dürfte bestenfalls gar nichts erreichen, oftmals aber sogar das Gegenteil. Denn letztlich wird über die Verbotsinstallateure und Gutmenschen selbst per Witz Gericht gehalten. Tja, die Gezeiten sollte man besser nicht provozieren.

Links:

Einen hab ich noch!
Lach-Flashmob in Berliner U-Bahn – lachen-verbindet.de

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