Wühlmaus vertreiben ohne Gift und Fallen: ANTI-FU

In diesem Beitrag erfährst du, welche Erfahrungen ich mit Wühlmäusen machte und wie ich zu einer effektiven Vorrichtung kam, um Wühlmäuse ohne Gift, Gas oder Fallen und dazu stromlos und quasi wartungsfrei zu vertreiben. Ich nenne meinen Wühlmaus-Schreck „ANTI-FU“.

Das Update von 20.05.20 umfasst:
– Ausrichtung des Windfangs und Regenablauf
– Optimierung des Schlagpendels und Anpassung der Endkappe

Dieser Beitrag hat mehrere Abschnitte:






Die Idee für einen neuen Wühlmaus-Schreck

Brainstorm

Immer wieder ging mir der Film DUNE – der Wüstenplanet durch den Kopf. Da hatten sie diese „Plumpser“ zum Anlocken der riesigen Würmer. Im Spiel Half Life 2 wiederum war die gegenteilige Wirkung das Ziel: Abschreckung. Dabei kam ein Mechanismus zum Einsatz, bei dem ein schwerer, senkrecht geführter solider Metallkörper angehoben wurde und dann schlagartig auf den Boden zurück fiel.

Eindeutig wäre eine Stromversorgung nötig und die Konstruktion wäre aufwändig wie teuer. Also musste es kleiner sein, einfacher und billiger und am besten noch ebenso flexibel wie mobil.

Vor Ort hatte ich stets oft starken Wind als verlässliche  Energiequelle, doch ich dachte auch an ruhige Tage und andere Standort, wo vielleicht nie so viel Wind wehte wie bei uns. Auch bei leichtem Wind sollte mein Gerät also ausreichend Geräusche erzeugen, zwischen Bäumen und Hecken funktionieren wie auf freien Flächen. Also musste die Windempfindlichkeit einstellbar sein. Der Geräuschpegel sollte sich vor allem unter der Erde entfalten.
Da Trittgeräusche erwiesenermaßen effektiv waren, musste der erzeugte Schall nicht im Ultraschallbereich liegen, sondern im entgegengesetzten Spektrum, im Bereich Infraschall oder zumindest im auch für Menschen hörbaren, doch tiefenfrequenten Bereich. Und es sollten unregelmäßige Geräusche sein, schlagend oder pochend und nicht durch Rotation wie von einem Windrad erzeugt.

Prototyp

Somit ging es los mit dem Überarbeiten der alten Ideen und der erste Prototyp wurde getestet – mit Erfolg (s. Foto vom Mai 2019). Davon ermutigt baute ich eine leichter installierbare Version in verschiedenen Dimensionen und Abwandlungen, bis eine brauchbare Version stand, die nicht weiter reduziert werden konnte.
Letztlich ging ich von zwischendurch getesteten Kupferrohren mit Ø 28mm oder 22mm wieder zurück auf 35mm. Es zeigte sich nämlich, dass a) die Windfestigkeit nicht gewährleistet und b) der Schlageffekt in dünneren Rohren ebenfalls geringer und damit der Wirkbereich kleiner war (Dennoch gab auch da keine Schäden durch Wühlmäuse).

Mein Wühlmaus-Schreck „ANTI-FU“:
Wühlmaus mit Schall vertreiben, ohne Strom

Hier also stelle ich dir meine kleine wie einfache Erfindung vor, um Wühlmäuse ohne Gift, Gas oder Fallen und dazu stromlos und quasi wartungsfrei zu vertreiben.

Hier einige Bilder, welche die Entwicklung 2019 bis zum finalen Feldversuch zeigen:

Sehr frühe Version meines Wühlmaus-Schrecks

Mai 2019: Effektiver Prototyp: Eingegrabener leerer 20l-Kanister als Schall-Resonator, darin Kunststoff-Fallrohr, darin sich Bambusrohr mit aufgestecktem Windrad

Wühlmaus-Schreck, erste Version mit schon guter Wirkung

Wühlmaus-Schreck „ANTI FU“, erste Version des neuen Typs ohne Kanister und mit 35mm-Kupferrohr

Wühlmaus-Schreck, zweite Version mit besserer Windausnutzung

Version mit mehr Windausnutzung, doch noch nicht stabil genug

vorerst finale und effizienteste Version

Feldversuch, Erfolg und Prognose beim Wühlmaus-Schreck ANTI-FU

Sofort mit dem ersten Aufbau (mit Kanister) ging meterweit herum die Aktivität der Wühlmäuse komplett zurück. Ich war echt angetan. Der Wirkbereich ist beim endgültigen Aufbau etwas kleiner, dafür ist dieser leichter in der Handhabe (nicht unbedingt kostengünstiger).
In bisher allen Testbereichen, die sich zumeist in Obstpflanzungen befinden, ist seit Installation keinerlei Wühlmausaktivität mehr vorzufinden – egal ob ANTI-FU einzeln oder in Gruppen platziert wurde. Dabei stehen manche Aufbauten an Bäumen, an denen ich im Herbst Aktivität vor fand oder wo bereits Opfer beklagt werden mussten und neue Pflanzungen standen. Ich teste: Standfestigkeit des Stamms noch da? (Wackeltest)* Boden am Baum neuerdings aufgelockert?  * vorgefundene Löcher und Gänge für Wühlmäuse typisch? Es hätte ohne ANTI-FU an dem einen oder anderen Baum über den Winter große Probleme gegeben. Eine Hasel, wo vorher aber jahrelang Ruhe war – und eine Birne – in einem erst Anfang Herbst neu erschlossenen Bereich – wackelten beim Test Anfang Dezember plötzlich in aufgelockerter Erde.

Wohin wandern die Wühlmäuse ab?

Egal, aus welchen Gründen die Wühlmaus sich nicht mehr wohl fühlt und abwandert, dies beinhaltet den Versuch territorial auszuweichen. Anders als beim Abtöten durch Fallen wird die Mauspopulation ja nicht ausgedünnt. Kulturen, wo bisher keine Schäden vorlagen, können sofort in Gefahr sein. So konnte ich beobachten, dass eine seit Jahren problemlos heran wachsende Hasel kurze Zeit nach dem Platzieren meines Wühlmaus-Schrecks an Kulturen in der Nähe unterhöhlt und sicher auch bereits angefressen wurde. So platzierte ich dort auch ein Gerät und seitdem ist Ruhe. So erging es ebenfalls einem Birnen- und einem Maulbeerbäumchen.
Letztlich passt sich die Populationsdichte natürlich an die Bedingungen an, doch das braucht eben etwas Zeit; viele Tiere bedeuten auch eine hohe Mortalität, ob durch Fressfeinde oder Platz- / Nahrungsmangel. Die nötige Zeit hatte ich neu erschlossenen Fläche für Obstbäume z.B. bisher nicht gegeben. Nach den bisherigen Erfahrungen teste ich den Zeitraum vom Erschließen bis zur Kultivierung auf bis zu ein Jahr zu verlängern und dann zu vergleichen.

Prognose

Meiner Ansicht nach ist, da die Wühlmausaktivität in allen Fällen seit Aufbau meines ANTI-FU komplett nachgelassen hat, die Prognose recht viel versprechend. Allerdings sind eindeutig Abwanderungssymptome durch Gefährdung nahe stehender, nicht voll geschützter Kulturen zu beobachten.
Es sind weitere Versuche und Beobachtungen erforderlich.

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Kommentare

2 replies on “Wühlmaus vertreiben ohne Gift und Fallen: ANTI-FU”

  1. Barbara Schmidbauer sagt:

    Hallo ihr beiden,
    super blog
    schön zu lesen, daß andere Mitmenschen nach den gleichen Grundsätzen mit den Wühlmäuse leben.
    Ich wohne wunderschön an einem Bach und hab mich an so manches Tier gewöhnen müssen, aber die Wühlmaus besucht uns doch zu oft.
    Würde deinen Antifu gern nachbauen, hab aber so meine Zweifel ob ich das hinbekomme.
    Eine Konstruktioszeichnung wäre schon hilfreich.
    Gruß
    Barbara

    • Christian sagt:

      Hallo Barbara, mit einem kleinen Fließgewässer dran ist ja optimal. Das fehlt mir an manchen Tagen.
      Wühlmaus: Ja, ‚zu oft passt‘ wirklich, gerade in den letzten beiden Jahren, finde ich.
      Danke für deine Anregung zur Bauzeichnung. Doch das macht alles (unbezahlte) Arbeit und da ich immer wieder mit Abwandlungen experimentiere, auch derzeit, lohnt es sich einfach kaum. Außerdem ist die Bauteilanzahl ja extrem gering und der Aufbau eigentlich sehr simpel. Am besten einfach mal ausprobieren und dann kommen genaue Fragen, die ich hier gern beantworte.
      LG Christian

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