Klanggebet: Gott ist Gnade – und unsere Konzepte sind oft gnadenlos

- zuletzt geändert am 24.März 2014

Seht es mir nach, das sich derzeit kaum dazu, komme neue Beiträge zu verfassen, obwohl es so viele spannende Themen und Erkenntnisse gibt.

Hier ein von mir kommentierter Beitrag von Giannina Wedde (KLANGGEBET).

Gott ist Gnade – und unsere Konzepte sind oft gnadenlos

Manchmal sehen wir gar nicht mehr, wie gnadenlos unsere Konzepte von Heilung sind. Gebetsmühlenartig predigen wir, dass dies und jenes noch aufgelöst werden müsse, dass dies und jenes noch losgelassen werde müsse, und dass das ein oder andere uns noch bremse, blockiere, verdunkele oder schwäche, unsere Berufung vernebele, unsere glückliche Partnerschaft ausbremse.

Wir sagen zu Kranken: Du bist krank, weil. Und sie quälen sich bisweilen jahrelang mit Auflösungsarbeit herum, nur weil sie glauben, sie hätten sich ihre Misere selbst eingebrockt. Sicher gibt es krankmachendes Verhalten – aber wer ist in der Lage einem Kranken mit Bestimmtheit zu sagen, woher sein Leiden kommt?

Als wäre das nicht genug, überfrachten wir unser Leben oder das Anderer mit vermeintlichen karmischen Verstrickungen, alten Sünden aus alten Leben, mit ungelösten Rätseln aus Inkarnationen, mit Seelenverträgen, offenen Rechnungen, uneingelösten Schwüren, unintegrierten Kräften und so weiter und so fort.

Wir vergessen dabei gern, dass all diese Modelle uns ursprünglich dazu verhelfen sollten, innerhalb eines symbolhaften Kontextes Probleme zu lösen, die unser momentanes Leben direkt betreffen. Und nur innerhalb der Parameter eines bestehenden Problems und einer gewünschten Lösung haben solche Modelle überhaupt ihre Berechtigung. Wenn wir das vergessen, versklaven wir uns und Andere und legen ihnen ein Joch auf, unter dem jedes Leben in Gefahr ist, zu ersticken. Und wir erschaffen Abhängigkeiten – zwischen jenen die Heilberufe ausüben und jenen, die als Klienten Hilfe in Anspruch nehmen. Denn das Rumdoktern an inneren Blockaden, für einen Moment in dem endlich alles in Ordnung sei, endet niemals.

Es wird nie aufhören, dass wir etwas in uns noch als „unheil“ empfinden. Es wird nie aufhören, dass wir denken, dies oder jenes könnte noch besser sein, noch klarer, noch froher. Es wird auch nie aufhören, dass wir denken, wir hätten etwas besser machen können. Das alles sind menschliche Gefühle und Gedanken, Teil menschlichen Lebens. Kurzum: es gibt diesen Moment nicht, auf den wir nahezu manisch hinarbeiten, diesen Moment in dem wir uns endlich „bereit“ fühlen. Bereit wozu eigentlich? Bereit, Gott zu begegnen? Bereit, der Welt zu begegnen? Bereit, uns selbst zu begegnen?

Wenn wir uns erlauben, für einige Tage innezuhalten, und die Besessenheit des An-uns-Arbeitens ruhen zu lassen, wenn wir für einige Tage in die Stille gehen, in die Ordnung der Natur, in die Uferlosigkeit des Gebets, wenn wir Zeit mit Menschen verbringen, die uns immer schon liebten, egal wir unmöglich wir uns aufführten, dann, ja dann dämmert uns vielleicht, wie einfach es im Grunde ist:

Das Leben ist jetzt. Und jede Sekunde, jeder Atemzug öffnet uns eine Tür, das Leben zu bejahen. Unsere Verantwortung und Freiheit, unsere Gestaltungskraft anzunehmen und sie auszufüllen.

Wenn Du Dich berufen fühlst, Menschen gut zu sein, dann sei ihnen gut. Dafür musst Du nicht erst eine vierstöckige Heilpraxis besitzen, Du kannst das auch am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn. Wenn Du Dich berufen fühlst, Deine Gaben zu leben, dann verhilf Deinen Gaben zu Raum, egal was gestern war. Kannst Du gut zuhören, dann höre zu. Kannst Du Dinge mit Humor betrachten, dann bring Menschen zum Lachen. Kannst Du gut mit Pflanzen umgehen, dann arbeite mit Pflanzen.

Das, was Du krampfhaft auflösen, loslassen, loswerden willst: nimm es mit (sonst nimmt es Dich mit). Nimm es mit als Zeilen Deiner Lebensgeschichte. Deine weiteren Lebenskapitel werden vielleicht wunderbare Wendungen nehmen, aber deswegen solltest Du die ersten Kapitel nicht ausradieren wollen. Lerne, Deine Biographie zu umarmen. Aber denke nicht, dass Du nicht Dein Leben leben kannst, während Dir das noch nicht gelingt. Heilung ist ein Werden. Dinge werden in uns heil, während wir leben. Dinge werden uns zur Antwort, während wir mit Fragen in unserem Herzen leben. Dinge werden uns zum Segen, während wir mit all den Traurigkeiten in uns tatkräftig durchs Leben gehen.

Das, was Du über „andere Inkarnationen“ vermutest – wem nützt es? Verantwortungsvoll ist der, der für sein Leben Verantwortung übernimmt, und die Verantwortung für ein Leben reicht dem Menschen erfahrungsgemäß aus. An mehr können wir nur scheitern.

Wenn Du angesichts der Stille des Gebets, der Schönheit der Natur oder der Wärme Deiner Liebsten ahnen kannst, wie uferlos Gottes Güte und Liebe sind, wie kannst Du Dich oder Andere da mit gnadenlosen Konzepten martern, die immer und immer wieder in die Wunde stechen, die immer und immer neue Wunden suchen und die Dir immer und immer wieder die Last auferlegen, tagein tagaus um Dich selbst zu kreisen?

Einen Neubeginn wünschen sich viele Menschen. Und dieser Neubeginn kann jetzt sein. Ich trage in meinem Herzen die Gewissheit, dass ein aufrichtiges Gebet Dir hier und heute die Tür öffnen kann in ein Leben, in dem Du von dieser qualvollen Ichbezogenheit befreit sein wirst – immer ein wenig mehr. Es könnte vielleicht so lauten:

Gott,
Du Seele aller Dinge
Du Quelle allen Seins
Du Urgrund aller Liebe
Ich möchte Mensch sein und das Menschsein umarmen.
Möchte die Gaben, die Du mir schenktest, entfalten zum Wohle Aller.
Ich lege meine Gedanken, Worte und Taten vor Dich wie leere Schalen.
Fülle Du sie an mit Deiner Liebe.
Verzeih mir, womit ich der Liebe nicht entsprach,
und hilf mir, mir selbst und Anderen immer zu verzeihen.
Hilf mir, jeden Tag ein wenig mehr das Geheimnis des Lebens zu begreifen,
und die Heiligkeit des Lebens zu ehren und zu feiern.
Ich danke Dir, dass ich auch in Momenten, in denen ich nichts mehr weiss,
um Deine Liebe wissen darf, die mich immerzu trägt, durchdringt und segnet.
Amen

(Giannina Wedde/KLANGGEBET, www.klanggebet.de – Teilen erwünscht und erlaubt)“


Mein Kommentar, wie ich ihn auch in FB postete:

Danke, mutiger Beitrag, Überschrift top, deine Worte sind Insgesamt für mich nachvollziehbar. Ich komme auch manchmal von einem Dogma ins nächste Es klingt für mich so vertraut und als ob du selbst deine Erkennntiss durch Versuch und Irrtum erlangt hast und nun (wieder) sagst, was (nicht) zu tun sei oder was zu tun sei. Warum weitere Polarität, wenn du doch im inneren Frieden sein willst? Das geht vielleicht besser, wenn du alles, was du nicht mehr brauchst, anderen zuteil werden lassen kannst – auch und vielleicht gerade „Irrtümer“. Diese Wendeltreppe hat so viele Stufen und endet ja nicht.
Auflösungs“arbeit“ kann als Qual empfunden werden, oh ja. Einige Male kamen alte karmische „Blasen“ unaufhörlich zu mir, schon in frühester Kindheit. Einige Male wurde ich so hart in Träumen angegriffen, das sich danach krank war. Da half kein Gott und Jesus Christus (außer in echter Not), wenn ich etwas erkennen sollte. Wie es besser wurde? Durch Begehen eines sehr steinigen Weges. Und nun bin ich viel freier. Brauch ich weitere solche Themen? Nein. Der Wald wurde stets lichter.
Es gibt auf der anderen Seite in der Tat auch das Phänomen des Kompliziertmachens oder Problemerschaffens und die von dir angesprochenen Abhängigkeiten. Lass es zu, auch das ist Teil des Weges. Solange jemand wichtig sein will bzw. wichtiger als Andere, entsteht ein Kreislauf und ist eben so. Das ist nichts richtig oder falsch, nur anders.
Unter’m Strich würde ich sagen, es kommt stets auf die Balance an.
Manche Menschen reagieren auf versuchte Umarmung mit Freude und Liebe. Manche mit Angst oder Wut, manche mit Kälte und manche mit (astraler) Gewalt. Ich umarme nicht mehr ungefragt, weil mein Licht durchaus als Verletzung empfunden werden kann.
Qualvolle Ich-Bezogenheit? Folgender Gedanke: Das“Ich“ als Perspektive, als Sonde von Gott, wie man sagen könnte, ist Teil der Schöpfung. So mag es der einen Sonde gefallen und der anderen nicht.
„Das Leben ist jetzt. Und jede Sekunde, jeder Atemzug öffnet uns eine Tür, das Leben zu bejahen. “ Ja, das ist es, erschafft und erhält den inneren Tempel Den Tod zu bejahen ist ebenfalls Teil des Lebens. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ PSALM 90. Auch bei C. Castaneda finden sich zu dem Thema ganz ersaunliche Aussagen.
Alles Liebe Christian
p.s. habe deine Seiten erst kürzlich entdeckt und verstehe dich daher noch nicht im Kontext zu deinen früheren Entwicklungsstufen.
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