Wildaprikosen aus Kern ziehen und erfolgreich aufziehen

- zuletzt geändert am 23.November 2019
Aprikose, Fruchtansatz Anfang Mai (Wilson Delicious)

Fruchtansatz Anfang Mai (Wilson Delicious – keine wirkliche wilde Marille, doch nahe dran)

Nasskalte Winter, fiese Spätfröste, immerhungrige Wühlmäuse, Blattsauger, Krankheitserreger – Aprikosen haben es in deutschen Gefilden nicht ganz leicht, insbesondere in exponierten Lagen. Im Zuge der immer heftigeren Wetterextreme sehe ich in vor Ort angepassten Wildaprikosen eine zukunftsweisende Alternative zum Anbau von Edelsorten.

Doch bis dahin ist es zumindest für mich noch ein langer Weg.

Über mein kleines Wildaprikosen-Projekt schrieb ich bereits und hier will ich noch einmal konktret auf meine bisherigen Erfahrungen (mit zahlreichen Updates) zurück greifen und Tipps zur Aufzucht von Aprikosen aus Kernen geben.

Aprikosen aus Kern ziehen – Anleitung und Grundgedanken
Stand 2019/11

Welche Aprikosenkerne sind überhaupt geeignet ?

Blüte an Hunza-Aprikose

Blüte an Hunza

Man könnte meinen es ist egal, welche Aprikosenkerne man für die Anzucht verwendet  und ist leider nicht so einfach. Denn auch wenn ein Sämling, also eine aus einem Samen oder Kern gezogene Pflanze, sich ein Stück weit an die Bedingungen am neuen Standort anpassen kann, hat dieser Prozess auch seine naturgegebenen Grenzen und braucht oftmals mehrere Generationen. Je unterschiedlicher dabei ursprüngliches und neues Habitat, desto mehr Zeit und Generationen braucht es für eine standortangepasste Variante oder Sorte.

So ist es kein Wunder, dass es auch für heutige Wildaprikosensorten oft viele Jahrzehnte oder länger brauchte, um die neuen Generationen an europäisches Wetter anzupassen. Dabei waren es anfangs meist milde Gegenden wie Südfrankreich oder Österreich, die im Fokus lagen. Es gibt auch Ausnahmen wie die nordamerikanische Prärie-Aprikose (Northern prairie apricot) oder die russische Wildsorte „Briana“. Ein weiterer Zugewinn könnte die kanadische „Morden 604“ sein, die ist leider kaum zu bekommen.

Der Klimawandel spielt den Aprikosen positiv in die Hände, könnte man denken. So einfach ist das leider nicht, auch wenn die Sommer durchaus südlichere Sorten reifen lassen können. Doch schwierig ist meist der Frühling mit den oft schon früh warmen Tagen und folgenden Nachtfrösten. Die meisten Wildaprikosen kommen aus Gegenden, die solche Schwankungen nicht kennen; es ist lange kalt und wenn dann der Frühling kommt, ist er auch da, ohne ewiges Hin und Her.

-> Nimm am besten Kerne von Wildaprikosen, deren Anbau- oder Erntegebiete klimatisch möglichst nah an denen deines Standortes sind. Je unterschiedlicher die beiden Standorte, desto höher ist die Ausfallrate von Anfang an!

Vorbereitung der Kerne, Aussat und Aufzucht der Sämlinge

Vorbereitung der Kerne

Es wird oft geschrieben, wie wichtig die Stratifizierung der Kerne ist. Das stimmt zum Teil, ist aber in meinen Augen leicht überbewertet. Es stimmt erst einmal, dass mehr Kerne keimen, wenn sie dem Frost ausgesetzt waren. Doch es keimen auch so genügend Kerne. Bei mir lag in 5 Jahren und mit verschiedenen Wildaprikosen die Keimrate ohne Winterruhe bei ca. 25% und beim Rest, der einen Winter wartete und Frost bekam, nochmal bei dieser Rate. Der Rest keimte nie.

Die Stratifizierung, also das Abbauen keimhemmenden Schicht um den Samen, führe ich bei mehrjährigen Pflanzen, also auch bei Wildaprikosen, nach anfänglichen Spielereien im Kühlfach grundsätzlich nur noch naturgegeben durch. Sonst verliert der Kern den Bezug zu unserem Sonnenjahr und außerdem soll er, wenn er schon über den Winter warten soll, ja Kontakt zu der ihn später umgegenden Erde haben. So kann er sich optimal vorab anpassen, sich quasi „programmieren“.

Diesen Prozess der Anpassung kannst du geistig und emotional optimieren, indem du mit dem Kern oder besser, mit dem Deva, dem Pflanzengeist, kommunizierst. Dabei ist ein Deva, soweit ich sagen kann, für alle Pflanzen einer Art weltweitzuständig.
SO eine spezielle Form der Bezieung zu Pflanzen ist sicher nicht jedermanns Sache, doch wer wie ich einmal erkannt hat was da passiert, wird es nicht mehr anders machen wollen.

Das richtige Substrat

Hunza-Aprikose, Krankheit am Stamm erkennbar

Hunza, Krankheit durch Kulturfehler (Sommernekrose mit folgendem Pilzbefall mit Krebs und Gummifluss, Apoplexie und letztlich Triebsterben in den Folgejahren)

Nicht zu feucht und nicht zu trocken
Aprikosen vertragen grundsätzlich Staunässe nicht gut und dennoch haben einige meiner Wildaprikosen-Sämlinge schon den wahren Terror überlebt: Lehmiger Matsch im Winter, Dürre ohne Wässerung über viele Tage bei 40 Grad und so fort. Herr Kruchem aus Waake berichtet von einer Wildaprikose, deren Mutterpflanze in Lehm regelrecht „einbetoniert“ stand und dabei sehr gut gedieh, mit hoher Ernte Jahr für Jahr.
Doch das sind wohl eher Ausnahmen und ich provoziere solche Extreme nur in Ausnahemfällen. Anfängerfehler passierten natürlich auch mir und so manches Bäumchen wurde dadurch schon zum Kompostfutter „befördert“.

[ Beispiel: In einem Jahr, es war glaube ich 2016, lief eine Hunza unweit einer Birke trocken und ich unterschätzte den Wasserbedarf. Im Folgewinter bemerkte ich erste Stammrisse und Gummifluss, später musste ich das Bäumchen leider roden. Ich gehe davon, dass das Bäumchen im Hochsommer eine sogenannte Sommernekrose bekam, ein Teil des Kambiums unter der Rinde durch Hitze + Wassermangel abstarb und Pilze über die Folgemonate eindrangen (Foto). Dem war die Pflanze nicht gewachsen bzw. hätte ich umgehend stark zurück schneiden müssen. Als ich das Problem endlich erkannte, war es zu spät. ]

Staunässe muss ebenso vermieden werden. Wiederum muss Wasser jedoch auch gespeichert werden. Schwere Böden können durch Sand oder Kies aufgelockert und bei leichten Erden durch Beigabe von Kokosfasersubstrat oder anderem, geeignetem Substrat die Wasserspeicherfähigkeit erhöht werden. Zu leichte Böden, ganz besonders solche aus „märkischer Heide“, brauchen ein Update etwa durch Kokosfasern oder Ton-Humus-Komplexe.
Beim Mischen sollte der naturgewachsene Boden aber weiterhin dominieren, denn letztlich soll der Wildaprikosenbaum vor Ort auch dauerhaft gesund sein, also mit dem Boden zurecht kommen. Schon aus diesem Grund muss die Prägung oder „Programmierung“ wie erwähnt, wenn möglich in diesem Boden erfolgen können.

Da Wildaprikosen extrem starke und tiefe Wurzeln bilden können, ist ein Bodenaustausch eh kaum praktikabel. ich habe schon 2-jährige Hunzas umgesetzt und dabei regerechte Pfahlwurzeln dratisch einkürzen müssen, die mehr als doppelt so tief wie das Bäumchen hoch waren. Hierbei, das sprach ich ein einem anderen Beitrag schon einmal an, kann man natürlich auch gegen steuern, schon aus Versicht bei Wühlmausgefahr. Ein verzweigtes Wurzelgeflecht ist weniger anfällig für Totalverlust als eine starke Hauptwurzel, auch wenn diese sehr schnell von jeder Bewässerung unabhängig macht.

Bitte nährstoffarm
Damit sich Wurzeln schnell und gut entwickeln können, sollte der Boden von Anfang an keine prägende Düngung erhalten. Ein leichte Beigabe von reifem Wurmkompost halte ich jedoch für geeignet, aber in nur kleinem Anteil.

ph-Wert
Der ph-Wert muss bei Wildaprikosen, anders als bei Edelsorten, in der Regel nicht zwingend leicht basisch und kann sogar leicht sauer sein, auch hier dann je nach Einzelfall und Sorte eventuell eine höhere Anfälligkeit für Krankheit besteht. HIer gibt es für die weitere Erforschung noch viel Potential .

Wilde Österreichische Marille

Wilde Österreichische Marille (ca. 2,5 Jahre alt)

Hunza-Aprikose, Sämling aus 2015

Hunza-Aprikose im 4. Jahr Anfang Mai 2019 (ausgepflanzt 2016 und fast nie gegossen, daher noch klein). Dieses Jahr war der Durchbruch und sie erreichte das 2,5-fache der hier gezeigten Größe.

Hunza usbek., Sämling

Hunza usbek., Sämling aus 2019/03, Foto im September

Die Aussaat

Zeit für die Aussaat: Spätes Frühjahr bis Frühsommer
Kommen neue Aprikosenkerne rechtzeitig, kann ich bis allerspätestens Mitte Juli noch eine Aussat wagen. Ich habe das schon mehrfach gemacht und dann zwar recht kleine, doch gesunde Pflänzchen im Herbst gut durch den Winter gebracht und heute stehen sie stolz mit 2m da, kerngesund. Dabei scheint mir jedoch die winterliche Ausfällrate wiederum insgesamt höher zu sein als bei Aussaat nach der Winterruhe.
Zur Aussat lege ich die Kerne ca. eine Kernbreite tief flach liegend in das Erdreich. Das ist bei ungedüngte, recht nähtstoffarme und sehr lehmige Erde. Nach dem Einlegen decke ich die Kerne zu und wässere einmal kräftig durch.
Für das Freiland geeignete Pflanztöpfe haben große Löcher am Boden. Ich kaufe sie bei einem Lieferanten ein, siehe Linkliste unter dem Beitrag.
Manchmal probiere ich freie Reihen Direktaussaat, wobei die Keimrate nicht geringer ist, dafür aber die Gefahr durch Fraßschäden an den Wuirzeln höher liegt.

Zeit für die Aussaat: Nach der Überwinterung
Da unsere Winter auch die besten Kerne leicht verfaulen lassen, kommen Erde und Kerne durchmischt in eine Schüssel oder einen Topf und stehen im Freien, aber vor Niederschlag und direkter Sonne geschützt. Ab und zu wird die Erde befeuchtet. Etwa Mitte März setze ich die Kerne in Töpfe um, die ich zu 2/3 in den offenen Boden eingrabe oder in eine typische Baumschulreihe, auch teils untereben, einreihe. So haben die Pflanztöpfe etwa Bodentemperatur und stehen sturmsicher.
Wenige Wochen später zeigt sich dann, welche Kerne junge Sämlinge hervor bringen. Was bis jetzt nicht keimte, kommt meistens weg.

Teil meiner ersten, noch sehr kleinen Baumschule. Rechts eine Reihe Wildaprikosen mit Tröpfelschlauch

Teil meiner ersten, noch sehr kleinen Baumschule. Rechts eine Reihe Wildaprikosen mit Tröpfelschlauch, der alle bei Bedarf für eine Komplettdurchwässerung eingestellt wurde.

Töpfe eingraben, frei im Erdreich oder auf Vlies / Folie ?
Grundsätzlich ist das Eingraben der Pflanztöpfe sehr vorteilhaft für Kulturen. Der Temperaturverlauf ist ähnlich dem offenen Boden, schwankt also nicht zu heftig. Außerdem fallen die Töpfe bei starkem Wind nicht gleich um, stehen fest.
Beide Arten des Eingarbens haben ihre Vor- und Nachteile. Frei im Boden spart künstliches Material wie Unkrautvlies und lässt Regenwürmer von unten in den Topf, was sehr gut für die Pflanze ist. Leider ziehen manchmal auch Ameisen ein, das ist aber eher die Ausnahme und insgesamt leicht zu verschmerzen. In meinen inzwischen  typischeren Pflanzreihen ist ein Graben, in dem Unkrautvlies ausgelegt ist und auf diesem stehen die Töpfe. Das Vlies verhindert Durchwurzelung durch Wildpflanzen (vor allem die überaus lästige Quecke) in den Topf. So kann die Aprikose nicht durch den Topf in die Erde wurzeln. Das ist einerseits gut, wenn man umtpflanzen will, da man Wurzelschäden vermeidet. Andererseits muss so öfter gewässert werden als bei frei eingegrabenen Töpfen und die Töpfe erwärmen sich etwas schneller durch das dunkele Vlies. Noch ein Minuspunkt für die Vliesversion: Es sollten keine Plätze leer stehen, sonst drückt sich dort seitlich schnell der Boden in die Reihe, vor allem bei Maulwurfaktivität. Wie man es also macht… trink Krüger Cappuccino ;).

Kerne knacken ?
Die hier und da anzutreffende Methode, den Kern zu knacken und den so befreiten Samen auszusähen, gehe ich bewusst nicht, wenn es vermeidbar ist. Denn auch wenn die Keimrate quantitativ höher liegt (das stimmt), ist es so, dass nur die Kerne, deren Samen auch die Kraft zum Aufsprengen der Schale haben, auch gut klar kommen werden. So zumindest lautet an dieser Stelle meine Logik. Die Schwächlinge werden schon in der Keimphase aussortiert und machen später keine unnütze Arbeit, weil sie Krankheit und „Schädlinge“ anziehen.

Hunza, Sämling im Topf

Hunza, Sämling einige Wochen nach Keimung, Sommer 2014

Sämling in Sicht !
Die Sämlinge, die es in ortstypischem Boden schaffen, haben ein vergleichsweise hohes Potential, die nächsten Jahre gesund bleiben, schnell zu wachsen und das Alter für Blüte und Fruchtwerdung zu erreichen. Das ist je nach Wildaprikose ein ungewisser Weg über 5-12 Jahre.

Bisher sind bei mir ausnahmslos diejenigen Pflanzen besonders gesund und widerstandsfähig, die in vergleichsweise schlechtem Boden keimten und im ersten Jahr kaum gewässert wurden. Zwar gingen zum Folgejahr einige Pflanzen ein. Doch in den Folgejahren zeigen die überlebenden Pflanzen eine besondes gesunde Wurzelentwicklung und insgesamt sehr gute Verfassung. Weiterhin holen diese Pflanzen Jahr um Jahr im Wachstum teils extrem auf, wenn man mit anfangs großzügig gewässerten Pflanzen vergleichen will, und sie machen deren Anfangsvorteile damit nachhaltig zunichte. Darum lohnt es sich auch, bei Baumschulen genau nachzufragen, wie die Jungbäume aufgezogen werden!

Bewässerung von Wildaprikosenbäumchen

Wildobst kommt in meinen Augen grundsätzlich besser mit Wetterextremen zurecht als alle Edelsorten, das gilt natürlich auch für Wildaprikosen. Also muss auch vergleichsweise wenig gewässert werden, im Idealfall gar nicht. Das geht allerdings nur, wenn von Anfang an in freien Boden gesetzt wurde. Bei der Aufzucht in Töpfen geht es nie ganz ohne.

Tägliche Tröpfelbewässerung ?
Von der Methode, wie es Baumschulen oder Landwirte so gern machen, den ganzen Tag und vielleicht sogar nachts tröpfeln lassen, halte ich nichts. Ich will ja möglichst unabhängige Bäume, die auch Trockenheit überstehen, dafür braucht es frühes Training, sprich: Stress. Doch Vorsicht: Nicht übertreiben! Die Sommer in den letzten Jahren haben so mancherorts, besonders auch im Land Brandenburg, so manche Obstbaumanlage an den Rand des Ruins getrieben.

Wilson Delicious

Wilson Delicious

Besser ab und zu richtig als oft nur wenig
Genauso, wie auch ältere Obstbäume bei extermer Trockenheit besser ab und zu richtig tiefengewässert werden wollen, mögen es prinzipiell auch junge Bäumchen. Natürlich gelten hier etwas andere Intervalle und Wassermengen und auch spielt es eine große Rolle, ob ich mulche und ob die Bäumchen vollsonnig und im Wind stehen. Hier braucht es einfach das Beobachten und Hineinfühlen, die Erfahrung macht alles aus.

Wenn es dir schwer fällt zu beurteilen, gehe nach Gewicht des Pflanztopfes. Und achte auf das Wachstum. Aprikosen wachsen meist durchweg, auch bei größter Hitze, solange sie genug Wasser bekommen, hierzulande meist von Mai bis – je nach Sorte – in den Juli oder sogar bis Oktober . Steht Meerrettich als Beipflanzung, siehst du an dieser Pflanze auch immer, wann es zu trocken wird – die Blätter hängen nicht nur in der Tagesmitte durch, sondern schon am Vormittag und bis in den Abend.

Spritzen, Düngen und Wühlmäuse

Spritzen
Wie schon weiter unten beschrieben, sorge ich durch Pflanzengemeinschaften für eine höhere Pflanzengesundheit. Somit entfällt hoffentlich dauerhaft auch die ewige Sorge um „Überträger“ von teils gefürchteten „Erregern“ wie Sharka und ESFY oder die möglichen Folgen einer Ameisen-/Blattlausplage, bei der nicht einmal homöopathische Mittel anschlagen.
Da ich inzwischen grundsätzlich nicht chemisch eingreife, liegt mir an der natürlichen Stärkung miner Aprikosen natürlich besonders viel.

Düngen
Eine Düngung sollte wie bei Wildobst typisch, auch Wildaprikosen eher die Ausnahme sein. Wenn überhaupt als Düngung zu bezeichnen, verteile ich Mulch aus Laub und Grasschnitt oder auch mal Rindenschnitt. Auch die Beigabe von Wurmkompost erfolgt nach dem Auspflanzen in der Regel nicht mehr.

Wühlmausschreck

Wühlmausschreck neben Birnenbäumchen, meine erste Version mit relativ guter Wirkung, doch noch nicht effektiv und wartungsarm genug

Wühlmaus (Schermaus)
Warum Wühlmäuse zu bekämpfen einem auch als naturliebender Gärtner schon mal in den Sinn kommt, muss ich wohl niemandem sagen, der einen etwas größeren oder wilderen Garten hat. Wenn man im zeitigen Frühjahr einen schief stehenden Jungbaum mit Sorge gerade rücken will und plötzlich einen „Zahnstocher“ in der Hand hielt, ist das schwer wegzustecken.
Die auch im Winter anhaltende Fressaktivität der Wühlmaus steigert sich ab März bis April deutlich, da sind wohl ihre Wintervorräte aufgebraucht. Doch auch im Sommer, da muss sie nicht einmal an die Hauptwurzel gehen, kann die Wühlmaus selbst einem Wildaprikosenbaum gefährlich werden.
Darum lohnt es sich, gleich nach dem Auspflanzen genau zu schauen, wo die Wühlmaus gräbt. Denn entgegen mancher Meinung sind unsere Wühlmäuse recht autistisch veranlagt. Liegt ein Loch oder Gang nahe einer Pflanze, wird diese umgesetzt, bis es passt. Das mindert die Gefahr auf Dauer zwar nur wenig, doch anfangs zählt wirklich jeder Tag, da die Pflanze erst einmal durchwurzeln muss.
Das tägliche, stampfende Beschreiten mit festem Schuhwerk funktioniert auf jeden Fall, ist allerdings im Winter eine eher untypische Methode.
Alternativ kann man es mit einem Wühlmausschreck probieren, der mechanisch bei auch geringem Wind arbeitet.  Ich habe selbst einen vielversprechnednen Prototypen entwickelt, der sich vor Veröffentlichung einer Bauanleitung zum kommenden Frühjahr hin aber noch entgültig beweisen muss. Bisher stehen alle Pflanzungen seit Aufstellen im Mai und Juni konsequent ohne weitere Wühmausaktivitäten, ein Hoffnungsschimmer!
Weiterhin sollten die natürlichen Fressfeinde wo möglich, durch entsprechend Aufbauten eingeladen werden: Zum Beispiel locken Steinhaufen das Wiesel an und Sitzstangen werden gern von Greifvögeln für als Jagdsitz benutzt.

Fazit: Wildaprikosen aus Kern ziehen

Wenn du wenigstens Platz für an die 20 Jungbäume hast (ein Baum braucht bis zum erntefähigen Alter mindestens 5-6 Jahre und dann mindestens 1,5m Radius um sich frei), dann kann sich so ein Projekt lohnen. Einige Dinge sollten beachtet werden, doch insgesamt tolerieren wilde Aprikosen mehr Kulturfehler als Edelsorten, mit Ausnahmen.

Bei weniger Platz solltest du abwarten, wie sich der Markt entwickelt. Vielleicht gibt es ja bald den einen oder anderen Baumschuler, der auch Wildaprikosenbäumchen anbietet.


Noch einmal: Wildaprikosen und Krankheiten

Wildaprikosen sind von Haus aus sehr widerstandsfähig und können somit auch vielen „Erregern“ und „Überträgern“ leichter trotzten als Edelsorten, zumindest im Gesamtpaket betrachtet. Es gibt ja Sorten, die spefizisch gegen Monilia oder Sharka tolerant bis immun sind, doch das war es dann auch schon. Es sind spezielle Züchtungen, keine allgemein und von Natur aus schnell adaptierenden Sorten.
Bei Wildaprikosen verheilen Wunden allgemein sehr schnell und meist folgenlos.

Weiter – und hier wird es etwas „schamanisch“ – können Wildaprikosen in Pflanzengemeinschaften durch ihre urtypische Kraft und Kommunikationsfreude viel mehr für sich und ihre Gesundheit heraus holen als Edelsorten, da diese ja auf meist artfremder Wurzel stehen, sprich „veredelt“ sind („entwurzelt“ wäre passender). Den wilden Sorten noch nahe Sorten wie die nordamerikanische Wilson Delicious, können da durchaus eine Ausnahme sein. Allgemein würde ich sagen: Je besser eine Sorte durch sich bewurzelne Stecklinge vermehrt werden kann, desto näher ist sie ihren wilden Verwandten.

Der Sinn der Pflanzengemeinschaft

Hunza-Aprikose mit Unterpflanzung aus Brennnessel, Knoblauch und Kapuzinerkresse

Hunza-Aprikose mit Unterpflanzung aus Brennnessel, Knoblauch, Kapuzinerkresse und später auch Meerrettich

Nicht nur Wildaprikosen ziehen großen Nutzen daraus, es gilt für eigentlich alle Bäume, ob Kultursorte oder wilde: Unterpflanzungen mit bestimmten Pflanzen, einjährig oder Stauden. Durch Stoffe und Informationen, die Pflanzen miteinander austauschen, werden auch Vitalität und Widerstandsfähigkeit gefördert. Da macht es Erregern und damit Krankheit schwer, Fuß zu fassen. So wirkt Brennnessel antibakteriell, Knoblauch und Rettich anitmykotisch und Schachtelhalm fördert starke Zellwände – wichtig zur Abwehr generell und für windfeste Stammbildung. Durch den Kontakt über die feinen Wurzeln können solche Eigenschaften auch zur Aprikose gelangen und sie damit deutlich gesünder und widerstandfähiger machen.

Weiterhin wird durch unterschiedliche Kulturen der ph-Wert im Boden stabilisiert und die Aufschlüsselung von Stoffen im Boden wird verbessert, das Bodenleben insgesamt ebenfalls.

Wer es wahrnehmen kann, spürt bei gesunden Pflanzen die deutlich höhere Lebensenergie als bei weniger gesunden. Das sollte stets der relevanteste Maßstab beim Gärtnern sein: Was richtig ist, fühlt sich auch so an.

Neben dem für die „Zielpflanze“, in unserem Fall die (Wild)Aprikose, hohen Nutzen bringt die Unterpflanzung auch Jahr um Jahr eine zusätzliche Ernte wertvoller Heilpflanzen und ist 100%ig nachhaltig.

Man ist, was man isst
Ein gesunder und pestizidfreier Wildaprikosenbaum bringt extrem gesunde Früchte hervor. Diese Vitalität nehmen wir beim Genießen der Früchte auch auf. Win-Win!

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